Präsentation der Jahresgabe 2012


Liebe Gäste

Wenn Sie heutzutage in ein gehobeneres Gasthaus essen gehen, werden sie meistens mit einem sogenannten «amuse bouche» überrascht. Dieses kleine und appetitanregende Häppchen bildet eine Vorbereitung auf das Festessen, ist meist eine lustvolle Kreation des Wirtes und ein materielles Dankeschön an den Gast.

Was für ein besseres Gasthaus recht ist, kann für einen besonderen Verein nur billig sein. In diesem Sinne ist die heurige Jahresgabe des Franz-Michael-Felder-Vereins zu verstehen. In unserem Büchlein mit dem Titel «Franz Michael Felder für die Westentasche» finden sie auf 96 Seiten kleine und liebevoll zubereitete Häppchen aus Felders reichhaltigem Schaffen. Seine Gedanken, Redewendungen, seine Aussagen sollen einerseits zum Geniessen und Reflektieren anhalten, andrerseits sind sie lustvolle Anreger um wieder einmal seine Werke, sozusagen die Festmenus hervor zu holen und sich darin satt zu lesen. Ich kann Ihnen versichern, es lohnt sich immer wieder.

Es war für mich nicht einfach aus beinahe 30 mit Zitaten vollbeschriebenen A4 Blättern eine repräsentative Auswahl zusammenzustellen, und falls Sie das Gefühl haben, dieses oder jenes Zitat hätte auch noch Aufnahme finden sollen, dann schreiben sie es doch einfach selbst hinein Im Büchlein ist noch genug freier Platz dafür.

Felders Sprache ist für mich immer wieder Inspiration, seine Gedanken bildnerisch umzusetzen. In diesem Sinne sind die 10 Holzdrucke zu verstehen, die Sie an den Stellwänden im Original sehen. Von jedem Holzschnitt habe ich eine Sechserserie mit Steinpigmenten aus dem Bregenzerwald und aus meiner näheren Umgebung gedruckt. Von jedem Druck können Sie, falls es Sie danach gelüstet, bis zu fünf Abzüge erwerben. Über das ganze Büchlein verstreut sind die Drucke wiederzufinden. Dabei bezieht sich der Text auf der linken Seite immer auf das folgende Bild auf der rechten Seite.

Ein festliches Essen findet seine Steigerung in dezenter Tafelmusik, nicht aus dem Lautsprecher sondern live. Aus diesem Grunde habe ich Manuel Leuenberger angefragt, ob er gewillt wäre, unsere Buchpräsentation mit Lithophonklängen zu bereichern. Er kennt das Instrument aus meiner Werkstatt und ist mit ihm bestens vertraut, wie sie weiters noch hören werden. Manuel weilte für einige Konzerte in der Schweiz und fliegt übermorgen wieder in die USA, um sein Perkussionsstudium fortzusetzen. Ihm möchte ich ganz herzlich danken.

Mein herzlichster Dank geht auch an Gotthard Bilgeri. Er hat schon im Mai bei der Felderverein-Veranstaltung Franz Michael Felder und die Musik in Schoppernau mit seiner engagierten und gekonnten Textrezitation ganz wesentlich für einen gelungenen Abend gesorgt und es freut mich ausserordentlich, dass er für diesen Anlass wieder zugesagt hat.

Damit wäre ich beim restlichen Ablauf der Buchpräsentation. Nach einem weiteren Musikstück präsentiert uns Gotthard die Vorspeise in Form eines Ausschnits aus der Erzählung «Liebeszeichen».
Zu dieser Geschicht schreibt ein Albert Ilg aus Wien an Felder: «Ich habe das Liebeszeichen bereits gelesen und mit allen die dieß Vergnügen theilten, einstimmig meine Freude, mein Behagen an der Zartheit u. lnnigkeit dieses Gemäldes geäußert. Es ist so lieblich und frisch, so weich und doch so kernig, es umschließt eine herrliche Warheit in einem feinen leichten Gewebe.» So soll eine Vorspeise sein! Nach einem Zwischenspiel von Manuel bekommen sie den Hauptgang serviert. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der Erzählung «Ein Ausflug auf den Tannberg». Nachdem sich Rudolf Hildebrand gegenüber Felder wenig schmeichelhaft zu diesem Text äussert, setzt er abschliessend folgende versöhnliche Worte auf seinen Brief: «Aber daß ich Sie nicht verstimme, in Ihrem Aufsatz ist auch vieles was ganz vortrefflich ist, Einzelnes von höchster dichterischer Schönheit, gerade in der Landschaftsschilderung, in der Sie nicht Ihre Stärke finden wollen.»

Nach weiteren Steinklängen erlaben wir uns dann an einem reichhaltigen Dessertbuffet. In einem kurzweiligen Wechsel von Zitaten aus der diesjährigen Jahresgabe und Variationen aus den «Greensleaves», wechseln sozusagen literarische Blätter in bunter Folge mit Musikalischen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Vergnügen – und en Guete!
Siegfried Amadäus Jud










Präsentation der Jahresgabe 2012


14. 11. 2012,
20.00 Uhr,
Impulszentrum Egg,
Siegfried Jud, Einführung,
Gotthard Bilgeri, Texte,
Manuel Leuenberger spielt Lithophon.


Bilder: Kurt Bereuter, Alberschwende