Schwabenkinder-Projekt: Erfolgreiche Museumsbesetzung durch BORG-SchülerInnen




Am Donnerstag, den 8.11.2012, staunten die BesucherInnen des Angelika Kauffmann Museums nicht schlecht: Volkshochschule Bregenzerwald, Franz-Michael- Felder Verein und das Museum in Schwarzenberg luden zu einer inszenierten Lesung aus dem autobiografischen Werk „Die Schwabengängerin“ von Regina Lampert. Aber dort, wo sonst Kunstwerke der bekannten Künstlerin ausgestellt sind, besetzten Schülerinnen den Raum, um ihre Sichtweise zum Thema Schwabenkinder zu demonstrieren.



Kinderarbeit, Gastarbeit, Leiharbeit, Sklavenarbeit, Jugendarbeitslosigkeit - das waren die Themen, mit denen sich die Schülerinnen des Wahlpflichtfaches Bildnerische Erziehung der 7ab unter Michael Hirtenfelder auseinander gesetzt haben. Sie errichteten ein temporäres Camp, in Anlehnung an die durch die weltweite Wirtschaftskrise in den größeren Städten entstandenen occupy camps, und hinterließen eine überaus spannende und beeindruckende Rauminstallation mit ganz unterschiedlichen Versatzstücken bis hin zu Zelt und Transparenten, die zum Nach- und Weiterdenken anregten.
Die 26 SchülerInnen der Schultheatergruppe lasen einzelne, von Ariel Lang und Christine Felder-Lang klug ausgewählte Passagen aus dem Buch „Die Schwabengängerin“ vor. Es handelte sich um Stellen aus dem ersten Schwabenjahr Regina Lamperts (1864) , in dem diese das Schwabenland noch mit großen Kinderaugen ziemlich begeistert schildert, und um Textstellen aus ihrem dritten Jahr, in dem sie mehr erlebt und die Sicht der Dinge kritischer wird.
Die Idee, den Text nicht nur durch eine Person vortragen zu lassen, ließ das mannigfache Schicksal der Schwabenkinder hinter dem Einzelschicksal der Regina Lampert spürbar werden. Schülerinnen des Freifachs Vokal unter der professionellen Leitung von Elisabeth Metzler-Faißt begleiteten die Lesung mit passenden Liedern. Ihre jugendlichen starken Stimmen beeindruckten das Publikum. SchülerInnen des Musiklabors der 7. Klassen unter Daniel Amann sorgten für den technisch guten Ton.
An diesem temporären Camp-Projekt, in dem auf vieles hingewiesen wurde, Fragen wichtiger waren als Antworten und das im besten Sinne „learning by doing“ ist, beteiligten sich über 40 SchülerInnen des BORG Egg. Die zahlreich erschienenen ZuschauerInnen zeigten sich begeistert.
Und wie es im wirklichen Leben auch ist (occupy camps werden meistens nach einiger Zeit geräumt): Bis am nächsten Morgen um 8.00 Uhr musste das Camp im Museum geräumt sein, der Maler wartete schon. (Annelies Nigsch)


Vorbericht

„Du würdest auch in den warmen Pflader stehen, wenn du keine Schuhe hättest und so an die Füsse frieren tätest…“, antwortete Regina Lampert anstelle eines Schwabenkindes, das in einem Kuhfladen stand, auf die Frage des Hofnarren von Karl I., König von Würtemberg, ca. 1870. Dass sie und der Junge daraufhin vom König von Kopf bis Fuß neu eingekleidet wurden, erfährt man in ihrem Buch „Die Schwabengängerin“, welches die gebürtige Schniferin im 75. Lebensjahr über ihre Jugenderinnerungen in Zürich verfasste und von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde herausgegeben wurde.

Schülerinnen und Schüler der Schultheatergruppe und Musikerinnen und Musiker des BORG Egg werden Ihnen einzelne Passagen aus dem Erinnerungsbuch vortragen und dieselben musikalisch umrahmen. Am Beginn steht eine kurze literaturhistorische Einordnung des Werkes!

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „dahoam und foat“ im Angelika Kaufmann Museum in Schwarzenberg, die Teil des Interregio IV Projektes über die Schwabenkinder im Alpenraum ist, statt. Die Ausstellung soll Einblicke in die Lebenswelt von (Schwaben-) Kindern im 19. und frühen 20. Jhd. in einer bäuerlich strukturierten Gemeinde wie Schwarzenberg geben. Dabei wird der Blickwinkel auf die Situation der Kinder gelegt: von denen, die daheim waren, und von denen, die aus Armut zur Arbeit als Hütejungen, Mägde und Knechte fort ins Schwabenland ziehen mussten.

Begeben Sie Sich mit uns auf eine multimediale Zeitreise in eine völlig andere Kindheit und Jugend!

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Angelika Kaufmann Museum und dem Franz Michael Felder Verein statt.

Vor der Lesung haben Sie die Möglichkeit, die Ausstellung im Museum zu besichtigen.

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