Mit Leo Haffner verliert auch der Franz-Michael-Felder-Verein einen überaus engagierten und aufgeschlossenen Partner und Freund.

Im Jahr 1983 hat er im ORF gemeinsam mit dem Felder-Verein eine geradezu bahnbrechende CD-Produktion mit Hörspielen Vorarlberger Autorinnen und Autoren umgesetzt. Als Chef „Kulturelles Wort“ im ORF Vorarlberg war es ganz entschieden sein Ziel, Verkrustetes aufzubrechen und neuen Ansätzen einen Weg in die Zukunft zu ermöglichen.

Noch in den letzten Wochen waren wir brieflich und mündlich in Kontakt und diskutierten, was denn sein aktueller Beitrag sein könnte. Selbstkritisch schrieb er: „Bin ich als Historiker der richtige Mann, um im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Felder-Jubiläum auf irgend eine Weise in Erscheinung zu treten? Darüber müsste man nachdenken. Ich zweifle jedenfalls stark daran. Ein Vorzeigeautor bin ich jedenfalls nicht.“

Warum wir gerne einen Beitrag von ihm im kommenden Jahr gesehen oder auch gelesen hätten, wird deutlich, wenn wir den Briefausschnitt lesen, den ihm Walter Methlagl im Jahr 1981 hat zukommen lassen (und den Leo Haffner in seinem Schreiben aufgegriffen hat). Es zeigt so klar, wo sein Standpunkt war und wo er aus großem Unbehagen heraus reagiert hat: Wenn „dem Einzelnen eigene Entscheidungen fast grundsätzlich durch den Zugehörigkeitsanspruch zu einem ‘Lager’ verbaut /sind/. Das hat jeder an sich erfahren, der sich mit seiner Meinung einmal ‘dagegen’  gestellt hat.”
Nun, Leo Haffner hat es verstanden, gerade solche widrige Ansprüche für sich, aber vor allem für die Literatur und für eine aufgeklärte Betrachtung fruchtbar zu machen. Hier kann man in ihm die Verwandtschaft mit Franz Michael Felder erkennen.
Bregenz/Sulz, Juli 2018 – Obmann Norbert Häfele

Walter Methlagl an Leo Haffner 1981

„So aber sind dem Einzelnen eigene Entscheidungen fast grundsätzlich durch den Zugehörigkeitsanspruch zu einem ‘Lager’ verbaut. Das hat jeder an sich erfahren, der sich mit seiner Meinung einmal ‘dagegen’  gestellt hat.”
Walter Methlagl an Leo Haffner 1981