Vor 150 Jahren – Solidaritäten gegen die Mächtigen: Franz Michael Felders und Kaspar Moosbruggers Ideen gestern und heute?

Dienstag, 19. Februar 2019, 20 Uhr, Saal im Landesarchiv Bregenz

Drei Podiumsveranstaltungen hat der Franz-Michael-Felder-Verein sich für das heurige Jubiläumsjahr vorgenommen und der erste Abend, das „Podium im Februar“ zum Thema „Solidaritäten gegen die Mächtigen“, hat bereits das Konzept bestätigt. Unter der Moderation von Kurt Bereuter, dem Stellvertretenden Obmann des Vereins brachten Meinrad Pichler, Kuno Sohm und Simon Vetter ihre Sicht auf die Verhältnisse zu Felders Lebzeiten vor 150 Jahren im Vergleich zur heutigen Situation ein.

Simon Vetter, als engagierter Bauer und Genossenschafter, verwies auf die große Sensibilität, die für die derzeitige Lage auf dem Agrarsektor, aber auch in der Bodenbewirtschaftung notwendig ist bzw. wäre. Das Verhältnis zwischen den Grundbesitzern, die mittlerweile in der überwiegenden Mehrheit kein wirkliches verantwortliches Verhältnis mehr zu ihren Ackerböden haben, und den Bauern, die tatsächlich auf diesen Böden produzieren, klaffe schon weit auseinander. Da wäre viel zu tun und die Kammern als ernannte Vertreter der Bauern seien hier nicht wirklich tätig.

Kuno Sohm sah vor allem auch den aktuellen – zumindest versuchten – Zugriff von Großfirmen wie Rauch und Alpla auf bisher geschützte Freiflächen, sehr kritisch, ja geradezu bedrohlich. Kuno Sohm setzt sich schon lange stark für neue Formen der Partizipation wie den Bürgerrat ein und setzt auch in eine Stärkung der direkten Demokratie große Hoffnungen. In wirklich engagierten BürgerInnen sah er denn auch die sozusagen NachfolgerInnen von Franz Michael Felder, seinen politischen und genossenschaftlichen Ideen.

Die zum Teil sehr wechselhaften Schicksale der Genossenschaften – auch hierzulande –, gaben auch Teilnehmern aus dem Publikum Anlass auf die Verantwortung der jeweiligen Akteure und auf klare Zielsetzungen bzw. Kompetenzen hinzuweisen.

Meinrad Pichler erläuterte zahlreiche Facetten der geschichtlichen Entwicklungen in den letzten 150 Jahren. Seit Felders Tod hat beispielsweise der Einfluss der Kirche massiv abgenommen. Aber die beherrschenden Kräfte wussten immer ihren Einfluss auf die eine oder andere Weise zu sichern. Verbesserungen können, da waren sich alle Teilnehmer am Podium einig, vor allem da erzielt werden, wo Produzenten und Konsumenten eine relativ enge Beziehung eingehen, wo z. B. der Bauer oder die Bäuerin in der Lage ist, auch den Handel selbst zu steuern.

Auch bei der Frage der direkten Demokratie diskutierte das Podium kontrovers, weniger bei den kritischen Anmerkungen zur aktuellen österreichischen Politik als bei den internationalen Ereignissen, so sie z. B. jetzt in Frankreich beinahe an der Tagesordnung sind.

Das alles erfordere viel Einsatz und da sei Franz Michael Felder immer noch aktuell. Sein Mut, sein Weitblick über alle Berge, ideologische und ökonomische Begrenzungen hinaus, immer mit Empathie und dem Gedanken, „Not zu wenden“ erfordere nicht nur Respekt, sondern sei auch ein Versprechen für unsere heutige Zukunft. Es gebe erfreulicherweise schon sehr viele Ansätze und auch Beweise, dass „Utopien gelingen“, so Obmann Norbert Häfele in seinem Schlusswort zu dieser sehr anregenden und auch durchaus kontroversen Diskussion am Podium und mit engagierten Beiträgen aus den Publikum. Und solche Narrative gelte es weiterzutragen. Felder habe ja auch deshalb seine Romane und Erzählungen verfasst.

Norbert Häfele
21. Februar 2019